Meilenstein in der Entwicklung des Schulwesens

So euphorisch sprachen einige Gäste vor 30 Jahren von der neuen
Friedrich-List-Schule in der Georg-Kerschensteiner-Straße 29.


Dieses Berufschulzentrum kann sich sehen lassen, meinte seinerzeit auch Bundesbildungsminister Björn Engholm. Kultusminister Dr. Peter Bendixen gratulierte vor allem den Schülern und Lehrkräften, die nun als erste in den Genuss der modernen Einrichtung kamen.

13 Millionen DM hatte der erste Abschnitt des Zentrums verschlungen. Mehr als 8 Millionen finanzierte die Stadt Lübeck, den Rest legten Bund und Land dazu. Damit habe man einen gewinn-bringenden Beitrag für die Zukunft dieser lebendigsten aller Schulformen geleistet, so der damalige Schulsenator Heinz Lund.

Trotz zunächst noch fehlender EDV-Anlage konnten sich Schüler und Lehrkräfte über rund 6.000 Quadratmeter Klassen- und Fachunterrichtsräume, Sprachlabore, Aufenthaltsräume und eine Bibliothek freuen. Endlich waren die ewigen Raumprobleme der Friedrich-List-Schule (FLS) überwunden. Jahrelang drängten sich 920 Schüler und Schülerinnen, aufgeteilt auf 39 Klassen in nur 31 Räumen, die sich über 3 entfernt liegende Gebäude verteilten.

Schon 1969 beantragte Schulleiter Dr. Ernst Richter deshalb gegenüber dem Amt für Schulwesen einen Schulneubau. 1973 beschloss die Lübecker Bürgerschaft dessen Errichtung auf einem Grundstück in der Triftstraße. 1979 erfolgte die Grundsteinlegung und ein Jahr später wurde Richtfest gefeiert.

Am 16. Dezember 1981 war es endlich soweit: Die Friedrich-List-Schule bezog die neuen Räume. Die fast 60 Lehrkräfte packten tatkräftig mit an, die Schüler hatten schulfrei. 3 Tage später konnten sie ihre neue Schule bei einer vorweihnachtlichen Feier beschnuppern. Am 11. Januar 1982 startete dann für alle der Unterricht in der noch ungewohnten neuen Umgebung.

Die Friedrich-List-Schule sollte nicht allein bleiben. 1991 zog die Gewerbeschule III, heute Teil der Emil-Possehl-Schule, in ihren Neubau an der Georg-Kerschensteiner-Straße ein. Dieser Bau ist doppelt so groß wie die FLS, aber in demselben Stil errichtet.

Heute wird wieder am Standort Kerschensteiner-Straße gebaut. Im Rahmen der Neuordnung der Berufsschullandschaft in Lübeck entsteht für 13,8 Millionen Euro ein Neubau für den anderen Teil der Emil-Possehl-Schule, der sich zur Zeit noch in der Dankwartsgrube befindet.

Die FLS ist inzwischen auf fast 1.550 Schülerinnen und Schüler angewachsen, die von knapp 90 Lehrkräften unterrichtet werden.

Die Zeit vor 1982 ist uns näher, als uns lieb ist, meint Schulleiter Stephan Cosmus. Außenstelle und Raumnot bestimmen auch jetzt wieder unseren Schulalltag. Kurioserweise hat die FLS das alte Gebäude in der Schwartauer Allee zugewiesen bekommen. Die älteren Kollegen, die damals schon unterrichteten, konnten Wiedersehen feiern, zumal die alte Möblierung, die zugigen Fenster und das abgewetzte Parkett noch vorhanden sind.

Es bleibt zu hoffen, dass die Bürgerschaft im nächsten Jahr die Mittel für die dringenden Renovierungsarbeiten in der Schwartauer Allee freigibt. Noch fehlt es an Vielem, was modernen Unterricht heute ausmacht, wünscht sich Direktor Cosmus.

Schon Björn Engholm unterstrich vor 30 Jahren, dass der dualen Ausbildung im Allgemeinen und den beruflichen Schulen im Besonderen ein großes Gewicht beizumessen ist.

Ernst-Henning Rohland
 

 

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